| Klassische Moderne und Zeitgenössische Kunst |
| Franta |
Die Menschen-Bilder des Malers und Plastikers Franta |
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Am Beginn des malerischen und plastischen Schaffens des tschechisch-bürtigen französischen Künstlers Franta steht der Schrecken - und diese initiale Zündung sieht man seinen Bildern an. "Es ist eine unmittelbar körperliche Malerei, die aus der körperlichen Geste entstanden ist und zum Körper spricht, aber eher noch eine Malerei der dargestellten Körper, eine Körperschrift, in der der Körper zum bedeutungsstiftenden Element einer Sprache wird, die durch ihn neu entsteht" (Evelyne Artaud in der neuesten Publikation: "Franta", Paris 2000, Editions Cercle d'Art in Zusammenarbeit mit der Galerie Art 204 in Düsseldorf). Die außergewöhnlich direkte Verbindung zwischen der humanen Verantwortung des Malers und der künstlerischen Umsetzung seiner Absicht setzt sich zum Betrachter hin fort: ein beiläufiges Anschauen, eine unverbindliche Rezeption der Bilder Frantas ist kaum möglich. |
Femme Touareg Acryl auf Leinwand,1998 150x150cm |
Messager Acryl auf Leinwand,1997 130x130cm |
Schon frühere Werkgruppen ("Transfusionen", "Transplantationen") gaben überwach beobachtete Situationen des menschlichen Fleisches in Abhängigkeit von medizinischer Apparatur wieder. Es waren dies die ersten Arbeiten, mit denen der Maler Franta in der Galerie Art 204 und im Museum Bochum hierzulande bekannt geworden ist. Erlebnisse auf Reisen durch Afrika und bei Arbeitsaufenthalten in den USA machen ab 1980 eine neue Thematisierung unabwendbar: In Marokko und Algerien erlebt er die anscheinend leere, endlos weite Wüste - und entdeckt darin verstreut die verrotteten "zivilisatorischen" Relikte des Menschen. Im Senegal und in Gambia öffnet sich ihm eine bislang fremde menschliche Kultur der Eingeborenen. Und in New York begegnet er ebenderen Abkömmlingen - unter den erbärmlichsten Lebensbedingungen dahinvegetierend in Harlem und in der Bronx. Diese antipodischen "zwei Welten" und die Befindlichkeit des Menschen darin sind nun Frantas künstlerisches Problem. In den "amerikanischen" Bildern türmen sich Autoteile, Bleche, Schrott - und irgendwo zwischen diesem technischen Dreck sieht man Menschen dunkler Hautfarbe, die in ihrer Umgebung zu versinken scheinen. In "poubelles" (Mülleimer) gesteckt, selber schon wie "menschlicher Abfall" behandelt. |
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Wer nun argwöhnt, die Gegenbilder vom schwarzen Ursprungskontinent bedienten die Sehnsucht nach der Idylle, irrt. Zwar werden die afrikanischen Menschen in ihren charakteristischen Zügen, anatomischen und physiognomischen Eigenarten erfaßt. Und in ihren gewohnten Verhaltensweisen und den Farben des trockenen Sandes oder der sattgrünen tropischen Vegetation geschildert. Doch sorgen koloristische Irritationen für eine das Auge des Betrachters heranziehende Spannung. Die Erkenntnis, daß der Mensch im Einklang mit der ihn umgebenden Natur leben könne, schließt die voraussichtliche Gefährdung dieser Harmonie mit ein. Frantas malerisches OEuvre beleuchtet schlaglichtartig zwei Seiten menschlichen Existierens: das entfremdete Dahindämmern und die relative Ordnung. Sein expressiver Stil eignet sich hervorragend zur Darstellung einer depravierten Humanität als auch zur Vorstellung einer hoffnungsvollen Möglichkeit des Lebens. Frantas Gemälde und Gouachen sind ein überzeugend gelungener "Versuch, den zerstörten Menschen neu wieder erstehen zu lassen" (nochmals Evelyne Artaud). |
Baiser Pastel sur Papier,1998 140x140cm |
Semailles Acryl auf Leinwand,1997 130x130cm |
Ebenso wirken seine skulpturalen Werke aus der doppelgesichtigen Condition humaine. Formal ambivalent zwischen deformierender Abstraktion und realistischem Detail, bezeugen die faszinierenden Menschenfiguren Geschundenheit und dennoch unbeugsame Würde. In vehementer Plastizität und physischer Eindringlichkeit bieten sie sich den Blicken dar. Sie erfüllen das Postulat Paul Valérys: "Ein Kunstwerk sollte uns immer beibringen, daß wir nicht gesehen haben, was vor unseren Augen liegt." Frantas malerisches und plastisches Werk ist weltweit in privaten und öffentlichen Sammlungen präsent. Besonders beachtenswert war unlängst der Erwerb des großen Triptychons "Temoin" ("Zeuge") durch das Kunstmuseum von Nagoya/Japan. Ralf Kulschewskij |
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