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Edgar Hofschen 

Äther als Raum
Zum Werk des Malers Edgar Hofschen

Der Maler Edgar Hofschen ist selbstverständlich kein Unbekannter mehr - sein Werk ist seit über drei Jahrzehnten präsent und wohlbeachtet. Die geistige Reife, die insbesondere seine neueren Werkgruppen konzentriert kennzeichnet, hat sich seit den frühesten Arbeiten perspektivisch bemerkbar gemacht.

Von Anfang an nennt Hofschen seine Werke "Modifikationen" und reiht sie nach den Buchstaben des Alphabets. Früh verwendet er als Malgrund textile Planen unterschiedlicher Provenienz, denen er die vorgefundenen Gebrauchsrückstände beläßt. Besondere Signifikanz indes erhalten für ihn die Nähte, die optische und haptische Akzente setzen. Ihre ambivalente bildgebende Funktion beschrieb der Künstler selbst (1970):

  • "Leinwand, genäht
  • Felder, getrennt
  • Verbindende Ordnung."
Auslaugen der Leinwände durch Tränken mit Terpentin, Überdecken vorhandener Risse durch aufgeklebtes Papier, Verstärkung der Reparaturen mit Ponal auf der Rückseite - dies sind Hofschens frühe Praktiken der Malgrundbehandlung. Durch die Werkgruppen hin entfaltet sich so ein vielgestaltiges Spektrum farblicher Tönungen. Der Maler entwickelt ungezählte Varianten des Farbauftrags, verfällt auf stets neue Beeinflussung der mitagierenden Ingredienzien. Formale Ordnungen in Hell-Dunkel-Schritten vom Rand zum Kern des Bildes, vorsichtig delikate Lineaturen als eigenlebende Elemente wie auch als Mittel der Flächenorganisation, sowohl kontrastierende als auch frei rhythmisierende Formen bestimmen die Entwicklung des OEuvres.

Hofschen 1
Modifikation Q24,1997
180x120cm
Öl/Papier/Leinwand
 
Hofschen 3
Modifikation R9/2,1998
106x71cm
Öl/Leinwand

Seit der Werkgruppe "O" emanzipieren sich die farblichen Schichtungen in Hofschens Bildern zum dominierenden Element. Die intensiven Farbforschungen Hofschens erfordern neue malerische Techniken. Die besondere handwerkliche Vorgehensweise zum Beispiel in der Gruppe "P" (seit etwa 1991) wird in einem Leporello der Düsseldorfer Galerie Art 204 ausführlich beschrieben. Es ist ein vielmaliger, arbeitsaufwendiger Einreibungs- und Abspachtelungsprozeß. Die sich ergebenden Feldergrenzen der Teilflächen dieser Tafeln verleihen ihnen ein dem offenen Auge eingängiges Gerüst. Der Betrachter assoziiert ein Skelett mit rückgratähnlichem Mittelstamm und rippenartigen Seitenzweigen. Diese "Corda dorsalis" von bildkonstituierender Bedeutsamkeit ist ein lebendig gewachsenes Organ - kaum tauglich zur Metapher der Fragilität, sondern vielmehr der Stabilität. In manchen, dem oberflächlichen Blick womöglich "monochrom" vorkommenden Arbeiten erspäht das Auge diese Struktur erst allmählich. Dann aber prägt sich die äußerst subtile Vielschichtigkeit unwiderstehlich ein - das Wesentliche steckt unter der Haut.

Hofschens Arbeitsprozedur des Schichtens und Schabens entfernt sich ablagernde, aber entbehrliche Sedimente. Was bleibt, ist die farbliche Essenz. Das durchdringende Auge senkt sich in einen vom Malvorgang tatsächlich geschaffenen, also wirklich existenten Farb-Raum. Die Nähte, Linien, Übergänge, Grenzen im Werk Edgar Hofschens: Stolperstufen fürs Auge und unversehens auch fürs Bewußtsein, sind nicht Symptome einer Dichotomie, einer Auseinandergliederung, sondern Orte einer Synergie, eines Zusammenwirkens. Das vom Künstler so genannte Phänomen des "Zwischen" ist kein Niemandsland, sondern eine Zone höchst vitalen Austausches.

 

Edgar Hofschens Malerei der Farbe ist transparent. Seine (mitunter als Wunden oder Narben mißdeuteten) Grenzlinienzeichen lenken den Blick in eine geradezu kosmische Luzidität, eröffnen den "Äther als Raum" (Hofschen selbst). Einsichten in das Universum der Farbe sind der Gewinn, den der Betrachter dieser Bilder (der Originale wohlgemerkt, nicht irgendwelcher Abbildungen!) davontragen kann.

Hofschen war (bereits 1977!) Teilnehmer der "documenta 6"; sein Oeuvre ist in maßgeblichen Museen und zahlreichen privaten Kollektionen vertreten.

Ralf Kulschewskij

 

Vita Edgar Hofschen

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