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Rolf Sackenheim 

Die nervöse Hand - das sensible Auge
Die Zeichenkunst Rolf Sackenheims

Irgendwo in allen graphischen Werken Rolf Sackenheims liegt ein Geheimnis. Anders ist nicht zu erklären, warum diese getuschten Federzeichnungen, die lavierten Bleistiftzeichnungen und die Kaltnadelradierungen so spontan das betrachtende Auge in ihren Bann ziehen - ohne ihm jedoch einen realitätsbezogenen Anhaltspunkt zu bieten, welcher ein ad acta legendes Aha-Erlebnis bescheren könnte. Sackenheim selbst hat sich zum eigengesetzlichen Prozeß seines Zeichnens folgendermaßen geäußert: erforderlich sei ein "scharfes Auge", sodann ein Kopf, "der klar denkt", schließlich "die nervöse Hand". Vor allem aber gelte: "Wer zeichnet, schielt nicht nach außen", das heißt: Verzicht auf jeglichen identifizierbaren Gegenstand.

Sackenheim 1
Pinseltuschzeichnung,1994
36,5x27,8cm
 
Sackenheim 3
Zeichnung,1978
39,5x29,0cm

Zeichnungen und Radierungen dieser Art entstehen und bleiben absichtslos: "der rote Faden, der Weg, die Ideen fehlen". Sackenheim bekennt, daß er "spielerisch und tastend zu radieren anfange": "Linien, die sich verdichten, werden zu einem Gespinst unendlich vieler Wege, nie mehr zu entwirren, nicht mehr abzulesen. In diesem Gewebe tauchen vielleicht eigenartige Häkchen auf, Rudimente einer archaischen Schrift, Restzeichen klettern durch das Gitter der Striche, verfangen sich in den Maschen, sind gebunden für immer und nie mehr frei." Ein autonomer, ja geradezu anarchischer Vorgang. Eine derartige Kunst benötigt keinen Gegenstand, "sie ist selbst" (Ludwig Hohl).

 

Dem experimentierfreudigen Künstler Rolf Sackenheim ist keines der graphischen Verfahren fremd. Dennoch ragen die Handzeichnungen in ihrer besonderen Qualität aus dem Gesamtwerk hervor. (Die Düsseldorfer Galerie Art 204 hat das facettenreiche OEuvre in vier nobel gestalteten Bänden dokumentiert.) Filigrane, keineswegs schüchtern, aber voller besonnenem Ernst aufs Blatt gesetzte Linien und Punkte, minimale Partikel, sanfte Lavierungen kennzeichnen diese Bleistift-, Rohrfeder-, Sepiatusche-Zeichnungen auf adäquat kostbarem Bütten. Sie gewinnen zunehmend an Schwung: gestische Bewegungen, die ihre Verwandtschaft zum Informel nicht leugnen; kalligraphisch anmutende "Schrift"-Zeichen; mitunter gar räumliche Dimension erobernde Farbstift- oder Federwirbel, aufkommende Pinselstürme, die kurzzeitig übers Aquarellpapier fegen. Ihre unerschöpflichen Elemente verleihen den Handzeichnungen Rolf Sackenheims ihren unverwechselbaren Charakter. Und machen sie dem sensiblen Auge zum Ereignis.

Zeichnungen, Radierungen, Collagen und Photographien Sackenheims befinden sich in internationalen Museen und großen privaten Sammlungen.

Ralf Kulschewskij

Sackenheim 4
Pinselzeichnung,1979
26,5x19,0cm

Vita Rolf Sackenheim

Bibliografie (in Auswahl)

Veröffentlichungen mit Originalgraphiken

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